
Seidenlaken für tropische Sommernächte
Nein, Seide kühlt nicht. Ein Seidenlaken senkt weder die Raumtemperatur noch entzieht es dem Körper fortwährend Wärme. Trotzdem kann ein glattes Betttuch aus feinem Seidensatin in einer tropischen Sommernacht eine bemerkenswert leichte Bedeckung sein.
Dieser scheinbare Widerspruch löst sich auf, sobald man genauer betrachtet, was mit „Seidenlaken“ gemeint ist. Im deutschen Sprachgebrauch denken die meisten Menschen dabei an ein Spannbettlaken, auf dem man liegt. Im amerikanischen und südeuropäischen Bett hingegen gehören häufig auch rechteckige Betttücher ohne Gummizug zur Ausstattung. Sie können unter einer weiteren Decke liegen – oder in einer heißen Nacht selbst als einzige Zudecke dienen.
Warum sich Seide nicht als kühlend bezeichnen lässt
„Kühlend“ klingt, als würde ein Material Wärme aktiv abführen oder die Temperatur der Haut dauerhaft senken. Das leistet Seide nicht. Sie nimmt nach dem Zubettgehen Körperwärme an und wird dadurch ebenfalls warm.
Ein frisch bezogenes Bett kann sich im ersten Moment kühl anfühlen. Das gilt jedoch nicht ausschließlich für Seide. Jeder Stoff, der zunächst Raumtemperatur hat, ist kühler als die Haut. Wie dieser erste Kontakt wahrgenommen wird, hängt unter anderem von Oberfläche, Materialdichte und Feuchtigkeit ab.
Seidensatin ist glatt, fein und wenig voluminös. Er kann Feuchtigkeit aufnehmen und an die Umgebung weitergeben. Das kann zu einem weniger klammen Hautgefühl beitragen, ist aber keine aktive Kühlung. Aus „feuchtigkeitsausgleichend“ oder „trägt wenig auf“ sollte deshalb nicht kurzerhand „kühlt den Körper“ werden.
Auch die häufig verwendete Bezeichnung „temperaturausgleichend“ ist erklärungsbedürftig. Sie bedeutet nicht, dass Seide eine zu hohe Körpertemperatur selbstständig nach unten regelt. Ein Textil kann lediglich beeinflussen, wie viel Wärme sich unmittelbar am Körper staut, wie feucht sich seine Oberfläche anfühlt und wie stark es isoliert.
Spannbettlaken und Betttuch erfüllen verschiedene Aufgaben
Ein Seidenspannlaken liegt direkt auf der Matratze und wird durch seinen Gummizug an den Ecken oder rundum gehalten. Es schafft eine glatte Liegefläche, kann aber ein aufgeheiztes Schlafzimmer nicht abkühlen. Auch Matratze, Matratzenschoner und die verwendete Zudecke beeinflussen, wie warm das Bett tatsächlich wird.
Das glatte Seidenbetttuch ist dagegen ein rechteckiges, ungefüttertes Stück Stoff. Es kann wie ein klassisches Oberlaken über den Körper gelegt werden. Weil nur eine einzige feine Stofflage aufliegt, hält es ausgesprochen wenig Wärme zurück. Darin liegt sein Vorteil für sehr warme Nächte.
| Variante | Wo liegt sie? | Was leistet sie in einer heißen Nacht? |
|---|---|---|
| Seidenspannlaken | auf der Matratze, unter dem Körper | glatte Liegefläche, aber keine Kühlung |
| glattes Seidenbetttuch | als dünne Lage über dem Körper | sehr leichte Bedeckung mit geringer Wärmewirkung |
| leerer Bettdeckenbezug | als Zudecke ohne Füllung | unkomplizierte Lösung aus zwei Stofflagen |
| leichte Sommerdecke | über dem Körper | mehr Substanz und je nach Füllung auch mehr Wärme |
| Betttuch mit dünnem Plaid | Betttuch am Körper, Plaid darüber | flexibel bei wechselnden Nachttemperaturen |
Warum man sich trotz Hitze zudecken möchte
In einer tropischen Nacht wäre es am kühlsten, ganz auf eine Zudecke zu verzichten. Viele Menschen schlafen dennoch ungern völlig unbedeckt. Eine dünne Stofflage vermittelt ein vertrauteres Schlafgefühl, ohne das Gewicht und die Wärme einer gefüllten Bettdecke mitzubringen.
Dafür gibt es mehrere Möglichkeiten:
- ein leichtes, glattes Betttuch,
- einen leeren Bettdeckenbezug,
- eine sehr leichte Sommerdecke,
- ein lockeres Tuch aus Baumwollmusselin,
- ein Betttuch mit einer zusätzlichen Decke in Reichweite.
Welche Lösung passend erscheint, ist nicht allein eine Temperaturfrage. Auch Stoffgefühl, Optik, Pflegeaufwand und die eigene Vorstellung von einem vollständig bezogenen Bett spielen eine Rolle.
Der leere Bettdeckenbezug: praktisch, aber nicht für jeden befriedigend
Häufig wird empfohlen, in besonders warmen Nächten einfach die Bettdecke aus ihrem Bezug zu nehmen und nur unter der leeren Hülle zu schlafen. Das funktioniert und erfordert keine zusätzliche Anschaffung. Außerdem lässt sich der Bezug bei sinkenden Temperaturen schnell wieder mit der passenden Decke füllen.
Trotzdem empfindet nicht jeder diese Lösung als stimmig. Ein Bettdeckenbezug ist für eine Füllung zugeschnitten, besteht aus zwei miteinander vernähten Stofflagen und fällt leer nicht immer ruhig. Er kann sich verschieben, zusammenlegen oder ein wenig unfertig wirken. Wem Bettwäsche vor allem praktisch erscheinen soll, wird das kaum stören. Wer auch im Sommer Wert auf einen klaren, vollständig gedachten Bettaufbau legt, bevorzugt möglicherweise ein einzelnes Betttuch.
Das glatte Seidenbetttuch besteht nur aus einer Lage und liegt fließender über dem Körper. Baumwollmusselin kann ähnlich wenig Wärme erzeugen, besitzt mit seiner locker gekreppten Oberfläche jedoch einen völlig anderen Charakter. Musselin wirkt lässig und unkompliziert; Seidensatin glatt, ruhig und kultiviert. Thermisch können beide für eine heiße Nacht sinnvoll sein. Optisch und haptisch sind sie kaum miteinander zu verwechseln.
Schlafen mit Betttuch: die italienische Variante
In Italien und anderen südlichen Ländern ist ein Bettaufbau mit glattem Oberlaken vertrauter als in Deutschland. Das Betttuch liegt direkt über dem Körper. Darüber kann je nach Jahreszeit eine Tagesdecke, eine leichte Wolldecke oder ein Plaid folgen.
Für wechselhafte Sommerwochen ist diese Schichtung praktisch. In einer heißen Nacht genügt das feine Seidenbetttuch. Kühlt es nach einem Regentag merklich ab, kommt ein zartes Plaid aus Wolle, Kaschmir oder einer anderen Naturfaser darüber. So muss nicht gleich zwischen vollkommen unbedeckt und gefüllter Bettdecke gewählt werden.
Ein kleiner Nachteil gehört zur ehrlichen Beschreibung: Seidensatin ist glatt. Ein leichtes Plaid bleibt darauf nicht immer an der sorgfältig vorgesehenen Stelle. Wer sich im Schlaf viel bewegt, erlebt mitunter ein recht rutschiges Zusammenspiel der beiden Lagen. Ein griffigeres Wollgewebe hält meist besser als eine ebenso glatte Überdecke, vollkommen wanderungsfrei wird die Kombination dadurch aber nicht.
Ein Seidenbetttuch ist leicht, nicht unempfindlich
Die feine Beschaffenheit, die ein Seidenbetttuch in heißen Nächten reizvoll macht, ist zugleich seine Schwachstelle. Seidensatin kann durch raue Hautstellen, scharfe Fußnägel, Schmuck oder harte Kanten Fäden ziehen. Auch häufige Wäsche, ungeeignetes Waschmittel und Reibung mit gröberen Textilien beanspruchen die Oberfläche.
Ein Seidenspannlaken ist dieser Belastung noch stärker ausgesetzt, weil das Körpergewicht den Stoff ständig gegen die Matratze bewegt. Deshalb ist Seide nicht automatisch die beste Wahl für alle, die lediglich eine weniger warme Schlafunterlage suchen. Ein robustes Baumwollspannbettlaken kann pflegeleichter und im Alltag vernünftiger sein.
Wer dagegen den glatten Griff und den fließenden Fall von Seidensatin schätzt und bereit ist, das Gewebe sorgfältig zu behandeln, erhält mit einem rechteckigen Seidenbetttuch eine außerordentlich leichte Sommerbedeckung. In unserer Auswahl an Spannbettlaken und Betttüchern finden sich unterschiedliche Materialien und Ausführungen. Welche Wärmeleistung bei einer gefüllten Decke wichtig ist, erläutert außerdem unser Beitrag darüber, worauf man bei einer Sommerdecke achten sollte.
Die entscheidende Aussage bleibt dennoch nüchtern: Seide kühlt nicht. Ein feines Seidenbetttuch kann aber so wenig wärmen, dass es in einer tropischen Nacht genau die kleine Stofflage bildet, unter der man sich bedeckt und dennoch kaum beschwert fühlt.


