
Maulbeerseide Seidendecke Seidenwolke Premium in verschiedenen Größen
Wildseide und Maulbeerseide tragen denselben vertrauten Materialnamen. In einer Bettdecke führen sie jedoch zu zwei recht unterschiedlichen Innenleben. Der entscheidende Unterschied beginnt lange vor dem Nähen – beim Kokon und bei der Frage, in welcher Länge seine Fasern erhalten bleiben.
Wer nur wissen möchte, welche Seidenart „besser“ ist, bekommt deshalb keine ehrliche Ein-Wort-Antwort. Beide können zu guten Bettdecken verarbeitet werden. Sie verlangen aber unterschiedliche Verfahren und ergeben nicht dieselbe Haptik.
Der Weg der Wildseide
Wildseide stammt häufig vom Tussah-Seidenspinner. Die Kokons werden überwiegend in der Natur gesammelt, nachdem die Falter sie verlassen haben. Durch die Öffnung ist das lange Filament unterbrochen.
Die Kokons müssen zunächst sorgfältig sortiert und gereinigt werden. Anschließend werden die Fasern kardiert, also ausgerichtet und zu einem Vlies gelegt. Für die Qualität ist diese Vorbereitung besonders wichtig: Im Freien entstandenes Rohmaterial ist naturgemäß weniger einheitlich als ein kontrolliert erzeugter Maulbeerseidenkokon.
Das fertige Wildseidenvlies besitzt eine lockere Struktur. Damit es in der Bettdecke nicht wandert oder auseinandergezogen wird, befestigt man es gewöhnlich durch ein kleinteiliges Steppmuster. Gut verarbeitet, ergibt diese klassische Bauart angenehme Sommer- und Übergangsdecken.
Der Weg der Maulbeerseide
Der Maulbeerspinner wird gezüchtet und mit Blättern des Maulbeerbaums gefüttert. Seine Kokons sind hell und vergleichsweise gleichmäßig. Werden sie verarbeitet, bevor der Falter schlüpft, bleibt das lange Seidenfilament erhalten.
Nach dem Entbasten – dabei wird ein großer Teil des natürlichen Seidenleims entfernt – kann die Faser auf verschiedene Weise weiterverarbeitet werden. Für besonders anschmiegsame Bettdecken werden vollständige Kokons behutsam auseinandergezogen. Dabei entstehen sehr dünne Netze, die Schicht für Schicht übereinandergelegt werden.
Eine so aufgebaute Füllung hält innerhalb der Fläche aus sich heraus zusammen. Sie braucht normalerweise keine kleinen Steppkaros und wird vor allem am Rand fixiert.
Der Unterschied liegt nicht nur im Namen
| Wildseide | Handgezogene Maulbeerseide |
|---|---|
| Geöffnete Kokons und unterbrochene Fasern | Lange Filamente bleiben weitgehend erhalten |
| Fasern werden gereinigt und kardiert | Kokons werden zu großflächigen Netzen gezogen |
| Füllung liegt als Faservlies vor | Füllung besteht aus vielen zusammenhängenden Lagen |
| Meist kleinteilig abgesteppt | Üblicherweise ohne Flächensteppung |
| Qualität hängt stark von Auswahl und Reinigung des Rohmaterials ab | Qualität hängt unter anderem von Kokonqualität, Entbastung und sorgfältigem Lagenaufbau ab |
Die Tabelle zeigt verschiedene Konstruktionsprinzipien. Sie besagt nicht, dass jede Maulbeerseidendecke automatisch hochwertiger als jede Wildseidendecke wäre. Die Materialbezeichnung allein garantiert weder saubere Rohware noch eine sorgfältige Verarbeitung.
Ist Wildseide die tierfreundliche Seide?
Diese Behauptung sollte man vorsichtig behandeln. Bei Wildseide werden viele Kokons erst eingesammelt, nachdem die Falter geschlüpft sind. Eine Garantie für jeden einzelnen Kokon lässt sich daraus jedoch nicht ableiten. Außerdem bleibt Seide grundsätzlich ein tierisches Material und ist nicht vegan.
Maulbeerseide und Wildseide unterscheiden sich in der Seidengewinnung. Ob jemand daraus eine persönliche ethische Präferenz ableitet, hängt von den eigenen Maßstäben ab. Für die Beurteilung der Bettdecke sollte man die Angaben zur Herkunft lesen, und nicht nur die einfachen Werbeversprechen.
Welche Decke fühlt sich weicher an?
Eine gut gearbeitete Wildseidendecke kann leicht, klimatisch angenehm und bequem sein. Durch das Faservlies und die Steppung besitzt sie jedoch eine andere Struktur als eine ungesteppt gefertigte Langfaserdecke.
Handgezogene Maulbeerseide wird häufig als besonders fließend empfunden. Die Füllung kann sich bewegen, ohne innerhalb kleiner Nahtfelder gehalten zu werden. Das lässt die Decke weich um den Körper fallen.
Der Unterschied entsteht somit nicht ausschließlich durch die Feinheit der Seidenart. Faserlänge, Aufbau und Steppung wirken zusammen.
Auch der Bezug verändert das Ergebnis
Die wertvollste Füllung steckt noch immer in einer Hülle. Diese sollte dicht genug sein, um die Seide zu schützen, zugleich aber leicht und geschmeidig bleiben.
Ein Bezug aus feinem Baumwollsatin kann sehr alltagstauglich sein und der Decke etwas Halt verleihen. Seidensatin spart Gewicht und fühlt sich ausgesprochen fein an, kann innerhalb der Bettwäsche jedoch glatter und beweglicher sein. „Seide innen und außen“ ist daher nicht für jeden Menschen zwangsläufig die praktischste Wahl.
Was sollte in der Produktbeschreibung stehen?
Eine aussagekräftige Beschreibung nennt mehr als den prozentualen Seidenanteil. Hilfreich sind Angaben zu:
- Seidenart und Zusammensetzung der Füllung,
- Form der Verarbeitung, etwa kardiert oder handgezogen,
- Füllgewicht,
- Material des Bezugs,
- Steppung beziehungsweise Randfixierung,
- Pflege und vorgesehenem Wärmebereich.
Fehlen diese Informationen vollständig, bleiben auch bei der Angabe „reine Seide“ viele Fragen offen.
Zwei gute Lösungen – aber nicht dieselbe
Wildseide bewährt sich seit Langem in leichten, gesteppten Naturbettdecken. Handgezogene Maulbeerseide ermöglicht eine andere, besonders geschmeidige Konstruktion aus langen, zusammenhängenden Lagen. Welche davon besser passt, hängt nicht allein vom Budget ab, sondern auch vom gewünschten Fall, vom Wärmebedarf und von den Anforderungen an die Pflege.
Wie eine Füllung ohne kleinteilige Nähte an ihrem Platz bleibt, erklären wir im Beitrag Seidendecke gesteppt oder ungesteppt?. Eine Auswahl verschiedener Seidendecken finden Sie im Shop.


