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Bettdecke • 24. September 2015

Ungesteppt oder gesteppt: Wie bleibt die Seidenfüllung in der Bettdecke?

Seidendecke mit Schmetterling Steppmuster von Sannwald

Seidendecke mit Schmetterling Steppmuster von SannwaldMittelwarme Steppdecke mit Seide von Sannwald

Bei einer Bettdecke erscheinen Nähte zunächst wie eine Frage des Designs. Karos, Rauten oder geschwungene Linien geben der Oberfläche Struktur. Ihre eigentliche Aufgabe liegt jedoch tiefer: Die Steppung hält eine bewegliche Füllung dort, wo sie hingehört.

Umso erstaunlicher wirken Seidendecken, die vollkommen ohne Steppmuster auskommen. Kann die Füllung darin nicht verrutschen? Die Antwort hängt davon ab, wie die Seide im Inneren verarbeitet wurde. Eine ungesteppt gefertigte Decke ist nicht unfertig – und eine gesteppte Seidendecke keineswegs automatisch einfacher oder schlechter.

Zwei Füllungen, zwei Bauweisen

Wildseide wird für Bettdecken gewöhnlich zu einem Faservlies verarbeitet. Die geöffneten Kokons liefern keine durchgehenden Filamente mehr. Nach dem Reinigen und Kardieren bilden die kürzeren Fasern eine lockere, dreidimensionale Lage.

Dieses Vlies braucht Halt. Ohne zusätzliche Fixierung könnte es sich während der Nutzung verziehen, stellenweise verdichten oder einreißen. Kleine Steppfelder unterteilen die Fläche und begrenzen die Bewegung der Füllung. Die sichtbaren Nähte sind hier also ein Bestandteil der Konstruktion.

Anders sieht es bei handgezogener Maulbeerseide aus. Aus den entbasteten Kokons werden hauchdünne, netzartige Lagen gezogen. Viele solcher Seidennetze liegen kreuzweise übereinander, bis das vorgesehene Füllgewicht erreicht ist. Jede Lage reicht über eine große Fläche; gemeinsam bilden sie einen zusammenhängenden Verbund.

Eine solche Füllung muss nicht alle paar Zentimeter festgenäht werden. In der Regel genügt es, sie am Rand der Bettdecke zu fixieren.

Was die Steppung über das Innenleben verrät

Am fertigen Produkt lässt sich der Aufbau zumindest teilweise ablesen:

Erscheinungsbild Typischer konstruktiver Grund
Kleine Karos oder ein enges Steppmuster Stabilisierung eines kardierten Faservlieses
Größere Steppfelder Fixierung einer ausreichend stabilen, aber beweglichen Fülllage
Keine Flächensteppung Zusammenhängende, häufig handgezogene Langfaserlagen
Nur am Rand geschlossen und fixiert Die Füllung trägt sich innerhalb der Fläche weitgehend selbst

Diese Zuordnung ist eine Orientierung, kein Ersatz für die Materialangaben des Herstellers. Auch Mischfüllungen, unterschiedliche Bezugsstoffe und besondere Fertigungsverfahren können eine andere Konstruktion erfordern.

Ist eine ungesteppt gefertigte Seidendecke anschmiegsamer?

Jede Naht verbindet Ober- und Unterseite des Bezugs. Ein dichtes Steppmuster gibt einer Bettdecke deshalb mehr Struktur. Das kann erwünscht sein: Eine gleichmäßig gearbeitete Wildseidendecke bleibt dadurch stabil und lässt sich unkompliziert handhaben.

Eine ungesteppt gefertigte Decke aus handgezogener Maulbeerseide besitzt dagegen keine Nahtlinien, die ihren Fall innerhalb der Fläche unterbrechen. Sie kann sich besonders weich an Schultern, Hüften und Füße legen. Dieser Unterschied ist meist deutlicher zu spüren als auf einem Produktfoto zu erkennen.

Man sollte daraus jedoch keinen pauschalen Wettbewerb zwischen „gut“ und „schlecht“ machen. Die sinnvolle Konstruktion richtet sich nach der Füllung. Ein loses Wildseidenvlies ohne ausreichende Steppung wäre kein Qualitätsgewinn. Umgekehrt würde eine kleinteilige Steppung den besonderen Aufbau einer zusammenhängenden Langfaserfüllung unnötig verändern.

Warum wird handgezogene Seide lagenweise eingelegt?

Ein einzelner Seidenkokon liefert nur eine sehr feine Lage. Für eine Bettdecke müssen daher zahlreiche Lagen aufgebaut werden. Sie werden in wechselnden Richtungen übereinandergelegt. Dadurch entsteht eine gleichmäßige Fläche, ohne dass die Seide zu einem kompakten Polster gepresst werden muss.

Das gewünschte Füllgewicht wird nicht durch eine dicke Schicht, sondern durch die Anzahl der Lagen erreicht. Die Füllung bleibt flach und geschmeidig. Gerade bei einer Sommerdecke ist das interessant: Sie kann den Körper vollständig bedecken, ohne sich unnötig voluminös anzufühlen.

Was geschieht beim häufigen Waschen?

Die Konstruktion erklärt auch, weshalb die Pflegehinweise verschiedener Seidendecken voneinander abweichen können. Ein abgestepptes Faservlies wird durch zahlreiche Nähte stabilisiert. Lange, lediglich am Rand fixierte Seidenlagen reagieren dagegen empfindlicher auf intensives Kneten und Schleudern.

Man kann sich die Filamente vereinfacht wie sehr langes Haar vorstellen: Wasser allein ist nicht das Hauptproblem. Wiederholte starke Bewegung kann jedoch kleine Bruchstellen verursachen. Die Decke fällt dann mit der Zeit weniger weich.

Deshalb sollte immer das Pflegeetikett des konkreten Modells gelten. Die sichtbare Steppung allein sagt noch nicht, ob und wie eine Bettdecke gewaschen werden darf.

Der Blick unter die Oberfläche lohnt sich

Ob eine Seidendecke gesteppt oder ungesteppt gefertigt ist, sollte zur Art ihrer Füllung passen. Kardierte Wildseide braucht eine sichere Aufteilung. Zusammenhängende Lagen aus handgezogener Maulbeerseide können ohne kleinteilige Nähte auskommen und erhalten dadurch ihren besonders fließenden Fall.

Wer Angebote vergleicht, sollte daher nicht nur nach „100 Prozent Seide“ fragen. Mindestens ebenso aufschlussreich ist die Frage: In welcher Form liegt diese Seide eigentlich in der Bettdecke?

Eine erste Einführung in das Material finden Sie in unserem Beitrag über Bettdecken aus Seide. Aktuell erhältliche Modelle mit unterschiedlichen Konstruktionen zeigen wir in der Kategorie Seidendecken.

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