Seidendecken richtig auswählen
Nicht jede Seidendecke ist gleich
Viele Menschen glauben, eine Seidendecke sei einfach eine Bettdecke mit einer Seidenfüllung. Tatsächlich unterscheiden sich Seidendecken jedoch stärker als man denkt.
Bereits die verwendete Seidenart spielt eine wichtige Rolle. Hinzu kommen Unterschiede bei der Verarbeitung der Fasern, beim Aufbau der Füllung, beim Bezugsstoff und bei der Konstruktion der Bettdecke. Zwei Seidendecken können deshalb trotz derselben Materialbezeichnung völlig unterschiedliche Eigenschaften besitzen.
Wer sich zum ersten Mal mit Seidendecken beschäftigt, stößt schnell auf Begriffe wie Wildseide, Maulbeerseide oder handgezogene Maulbeerseide. Gleichzeitig reichen die Preise von günstigen Angeboten bis zu hochwertigen Premiumdecken. Viele Käufer fragen sich deshalb, worin die Unterschiede eigentlich bestehen und ob sich der Aufpreis lohnt.
Dieser Ratgeber erklärt die wichtigsten Zusammenhänge und zeigt, worauf es bei der Auswahl einer Seidendecke wirklich ankommt.
Warum entscheiden sich viele Menschen für eine Seidendecke?
Seide gehört zu den ältesten bekannten Naturfasern der Welt und wird seit Jahrhunderten nicht nur für Kleidung, sondern auch als Füllmaterial für Bettdecken verwendet.
Der größte Vorteil einer Seidendecke liegt nicht darin, dass sie besonders warm oder besonders leicht ist. Ihre Stärke liegt vielmehr im ausgewogenen Schlafklima.
Seidenfasern können Feuchtigkeit aufnehmen und wieder an die Umgebung abgeben. Gleichzeitig gelten sie als temperaturausgleichend. Dadurch entstehen Bettdecken, die sich angenehm leicht anfühlen und dennoch ausreichend Wärme bieten können.
Viele Menschen schätzen außerdem die hohe Anschmiegsamkeit einer guten Seidendecke. Sie legt sich weich um den Körper, ohne schwer zu wirken.
Genau diese Kombination aus geringem Gewicht, angenehmer Anschmiegsamkeit und einem ausgeglichenen Schlafklima macht Seidendecken für viele Menschen zu einer besonderen Alternative gegenüber anderen Füllmaterialien.
Seidendecke ist nicht gleich Seidendecke
Wer nach einer Seidendecke sucht, wird schnell feststellen, dass sich die Angebote deutlich unterscheiden.
Das beginnt bereits bei der verwendeten Seidenart.
Grundsätzlich lassen sich die meisten Seidendecken zwei Gruppen zuordnen:
- Wildseidendecken
- Maulbeerseidendecken
Beide sind mit echter Seide gefüllt. Dennoch unterscheiden sie sich sowohl in der Herstellung als auch in ihrer Konstruktion und teilweise auch im späteren Gebrauch.
Der Begriff „Seidendecke“ allein sagt deshalb noch wenig über die tatsächliche Qualität oder die Eigenschaften einer Bettdecke aus.
Wildseide – der Klassiker unter den Seidendecken
Wildseide wird aus Kokons wild lebender Seidenspinner - z.B. dem Tussah Eichenspinner - gewonnen. Anders als bei der Maulbeerseide dürfen die Schmetterlinge ihren Kokon vollständig verlassen. Erst danach werden die Kokons gesammelt und weiterverarbeitet.
Dabei entstehen zwangsläufig geöffnete Kokons - Kokons mit "Loch". Die langen Seidenfilamente sind dadurch nicht mehr als zusammenhängender Faden vorhanden. Stattdessen werden die Fasern gereinigt, kardiert und anschließend zu einem Faservlies verarbeitet.
Dieses Verfahren hat sich seit vielen Jahren bewährt und hochwertige Wildseidendecken bieten ein ausgezeichnetes Schlafklima. Gerade als Sommerdecken oder leichte Übergangsdecken gehören sie seit langem zu den beliebtesten Naturhaardecken.
Die Qualität einer Wildseidendecke hängt jedoch besonders stark vom verwendeten Rohmaterial und von der sorgfältigen Verarbeitung ab. Da die Kokons im Freien gesammelt werden, unterscheiden sie sich deutlich stärker als Maulbeerseidenkokons. Witterungseinflüsse, Verschmutzungen oder Beschädigungen müssen während der Produktion sorgfältig aussortiert beziehungsweise entfernt werden.
Eine hochwertige Wildseidendecke beginnt deshalb bereits bei der Auswahl des Rohmaterials und nicht erst bei der fertigen Bettdecke.
Wildseide und der Aspekt Tierwohl
Immer wieder wird gefragt, ob Wildseide die tierfreundlichere Alternative zur Maulbeerseide ist.
Bei Wildseide leben die Tussah-Seidenspinner in freier Natur - sie werden nicht gezüchtet. Die Kokons werden überwiegend erst gesammelt, nachdem die Falter geschlüpft sind. Dadurch bleiben die langen Seidenfilamente zwar nicht erhalten, gleichzeitig unterscheidet sich dieses Verfahren deutlich von der Herstellung klassischer Maulbeerseide.
Trotzdem sollte Wildseide nicht als veganes Produkt bezeichnet werden. Zum einen handelt es sich um eine tierische Naturfaser. Zum anderen kann auch bei Wildseide nicht garantiert werden, dass jeder einzelne Kokon erst nach dem Schlüpfen gesammelt wurde.
Wer besonderen Wert auf einen möglichst geringen Eingriff in den natürlichen Lebenszyklus der Tiere legt, sieht in Wildseide häufig Vorteile gegenüber vielen anderen tierischen Naturfasern. Eine allgemeingültige Bewertung bezüglich Tierwohl hängt letztlich aber von den persönlichen Maßstäben ab.
Warum Wildseidendecken ein Steppmuster haben
Ein kardiertes Faservlies besitzt eine lockere, dreidimensionale Struktur. Damit die Füllung dauerhaft gleichmäßig verteilt bleibt und sich im Inneren der Bettdecke nicht verschiebt oder einreißt, werden Wildseidendecken in kleineren Karos oder mit einem anderen kleinen Muster abgesteppt.
Diese Steppung erfüllt in erster Linie eine technische Aufgabe. Sie unterteilt die Füllung in kleinere Bereiche und erhöht dadurch die Stabilität der gesamten Bettdecke.
Je feiner und hochwertiger die Verarbeitung ist, desto gleichmäßiger und anschmiegsamer fällt später auch die fertige Decke aus.
Maulbeerseide – ein völlig anderer Aufbau
Maulbeerseidendecken - zumindest diejenigen mit der handgezogenen Füllung - entstehen nach einem anderen Prinzip.
Hier werden die Kokons verarbeitet, bevor der Schmetterling schlüpft. Dadurch bleiben die langen Seidenfilamente vollständig erhalten.
Nach dem Entbasten – dabei wird der natürliche Seidenleim ausgewaschen – können diese langen Fasern weiterverarbeitet werden. Dadurch entsteht eine völlig andere Ausgangsbasis als bei einer Wildseidendecke.
Bereits dieser Unterschied erklärt, warum sich hochwertige Maulbeerseidendecken oft deutlich anders anfühlen als klassische Wildseidendecken.
Handgezogene Maulbeerseide – die besondere Konstruktion
Die aufwendigsten Maulbeerseidendecken bestehen aus handgezogenen Seidenvliesen.
Dabei werden die einzelnen Kokons nicht maschinell zu einem Faservlies verarbeitet, sondern vorsichtig von 4 Personen auseinandergezogen. So entstehen hauchdünne, netzartige Seidenlagen, die an überdimensionale Spinnennetze erinnern.
Für eine Bettdecke werden viele dieser Lagen übereinandergelegt, bis das gewünschte Füllgewicht erreicht ist. Anschließend wird die gesamte Füllung lediglich am Rand fixiert.
Dadurch unterscheidet sich der Aufbau grundlegend von einer klassischen Wildseidendecke.
Da jede einzelne Lage bereits zusammenhängend und stabil ist, benötigt die Füllung keine kleinteilige Steppung. Die langen Filamente bleiben nahezu über die gesamte Fläche erhalten.
Viele Menschen empfinden solche Decken deshalb als besonders geschmeidig und anschmiegsam. Neben den feinen Maulbeerseidenfasern trägt auch die besondere Konstruktion zu diesem Eindruck bei.
Seidenmischungen – warum Seide häufig mit anderen Fasern kombiniert wird
Nicht jede Seidendecke besteht ausschließlich aus Seide. Viele Hersteller kombinieren Seide bewusst mit anderen Natur- oder Funktionsfasern. Solche Mischfüllungen sind kein Qualitätsmangel, sondern verfolgen meist ein bestimmtes Ziel.
Seide und Baumwolle
Die mit Abstand häufigste Kombination ist Seide mit Baumwolle. Baumwolle macht eine Bettdecke meist etwas günstiger und robuster. Gleichzeitig verliert sie gegenüber einer reinen Seidendecke einen Teil ihrer besonderen Anschmiegsamkeit und ihres Temperatur- und Feuchtigkeitsmanagements.
Für viele Menschen kann eine Seide-Baumwoll-Mischung dennoch eine interessante Alternative sein, insbesondere wenn eine pflegeleichtere oder preisgünstigere Bettdecke gesucht wird.
Seide und Leinen
Leinen besitzt eine hohe Festigkeit und gilt als angenehm kühl auf der Haut. In Kombination mit Seide entstehen Bettdecken, die vor allem für warme Sommernächte interessant sein können. Leinen sorgt dabei für eine etwas trockenere und kühlere Haptik, während die Seide die Anschmiegsamkeit verbessert.
Im Vergleich zu reinen Seidendecken wirken solche Mischungen häufig etwas fester und weniger fließend.
Seide und Polyester
Auch Mischungen aus Seide und Polyester kommen vor. Hier steht meist nicht das Schlafklima im Vordergrund, sondern ein günstigerer Preis oder eine höhere Strapazierfähigkeit. Polyester ist pflegeleicht und häufig gut waschbar, erreicht jedoch nicht die temperatur- und feuchtigkeitsausgleichenden Eigenschaften hochwertiger Naturfasern.
Wie sinnvoll eine solche Mischung ist, hängt deshalb vom persönlichen Einsatzzweck ab. Wer möglichst pflegeleichte Bettwaren sucht, kann darin Vorteile sehen. Wer sich bewusst wegen der besonderen Eigenschaften für eine Seidendecke entscheidet, wird meist eher zu einem höheren Seidenanteil greifen.
Sind Mischfüllungen schlechter?
Nicht unbedingt.
Eine Mischfüllung verfolgt häufig ein anderes Ziel als eine Bettdecke aus 100 % Seide. Sie kann preisgünstiger, robuster oder pflegeleichter sein oder bestimmte Materialeigenschaften miteinander verbinden.
Wer sich jedoch bewusst für die besonderen Eigenschaften einer hochwertigen Seidendecke entscheidet, sollte auch den Seidenanteil berücksichtigen. Je höher der Anteil hochwertiger Seide an der Füllung ist, desto deutlicher treten in der Regel auch ihre typischen Eigenschaften in den Vordergrund.
Baumwollbezug oder Seidenbezug?
Hochwertige Maulbeerseidendecken werden sowohl mit einem Bezug aus feinem Baumwollsatin als auch mit einem Seidenbezug angeboten.
Viele Käufer vermuten zunächst, dass der Seidenbezug grundsätzlich die bessere Wahl sein muss. In der Praxis fällt die Entscheidung differenzierter aus.
Ein Seidenbezug ist etwas leichter als ein vergleichbarer Baumwollsatin. Wer beim Gesamtgewicht der Bettdecke jedes Gramm einsparen möchte, kann darin durchaus einen Vorteil sehen.
Gleichzeitig ist Seidensatin etwas glatter und dadurch im Bettbezug häufig auch etwas rutschiger.
Aus unserer Beratung empfehlen wir deshalb in den meisten Fällen einen hochwertigen Baumwollsatin. Er bietet ein sehr ausgewogenes Verhältnis aus Komfort, Stabilität und Alltagstauglichkeit.
Ein Seidenbezug kann sinnvoll sein, wenn bewusst eine vollständig aus Seide aufgebaute Bettdecke gewünscht wird oder beispielsweise eine bekannte Baumwollallergie vorliegt. Für die meisten Menschen sehen wir jedoch keinen so großen praktischen Vorteil, dass wir den erheblichen Mehrpreis grundsätzlich empfehlen würden.
Warum schläft man in Seidendecken anders?
Wer zum ersten Mal unter einer hochwertigen Seidendecke schläft, beschreibt das Schlafgefühl häufig anders als unter einer klassischen Daunen- oder Faserdecke. Die Unterschiede liegen dabei weniger in einem einzelnen Merkmal als im Zusammenspiel verschiedener Eigenschaften.
Seidendecken gehören zu den anschmiegsamsten Naturdecken. Sie legen sich weich um den Körper, ohne stark aufzutragen oder ein schweres Gefühl zu vermitteln. Gleichzeitig entsteht ein ruhiges Schlafgefühl, weil die Füllung nicht ständig ihre Form verändert.
Viele Menschen empfinden außerdem das Schlafklima als besonders angenehm. Seide kann Feuchtigkeit aufnehmen und nach und nach wieder an die Umgebung abgeben. Dadurch entsteht ein ausgeglicheneres Bettklima als bei vielen anderen Füllmaterialien.
Dabei sollte man jedoch keine Wunder erwarten. Eine Seidendecke kann weder eine hohe Raumtemperatur noch starkes nächtliches Schwitzen verhindern. Sie kann aber dazu beitragen, dass Wärme und Feuchtigkeit besser ausgeglichen werden.
Gerade dieser Unterschied ist wichtig. Ziel einer guten Bettdecke für den Sommer ist nicht, möglichst wenig Wärme zu liefern, sondern ein möglichst angenehmes Schlafklima zu schaffen.
Ist eine Seidendecke für Menschen geeignet, die nachts schwitzen?
Diese Frage gehört zu den häufigsten überhaupt.
Die Antwort lautet: oft ja – allerdings nicht aus dem Grund, den viele vermuten.
Wer nachts stark schwitzt, sucht oft nach einer möglichst dünnen Bettdecke. Tatsächlich ist jedoch nicht allein der Wärmerückhalt entscheidend, sondern das gesamte Schlafklima.
Seidenfasern besitzen gute temperaturausgleichende Eigenschaften und können Feuchtigkeit aufnehmen und wieder an die Umgebung abgeben. Viele Menschen empfinden deshalb gerade Sommerdecken aus Seide als sehr angenehm.
Trotzdem sollte man die Ursache des Schwitzens nicht außer Acht lassen.
Ist das Schlafzimmer sehr warm, beispielsweise unter dem Dach, stößt auch eine Seidendecke irgendwann an ihre Grenzen. Gleiches gilt für gesundheitliche Ursachen oder hormonelle Veränderungen. Keine Bettdecke kann diese Einflüsse vollständig ausgleichen.
In unserer Beratung stellen wir deshalb zunächst eine andere Frage:
Welche Bettdecke benutzen Sie derzeit und womit sind Sie zufrieden – und womit nicht?
Erst wenn klar ist, warum Ihnen nachts zu warm wird, lässt sich beurteilen, ob eine Seidendecke tatsächlich die passende Lösung ist.
Sommerdecke, Übergangsdecke oder Winterdecke?
Viele Menschen verbinden Seidendecken automatisch mit dem Sommer.
Das ist grundsätzlich nachvollziehbar, denn gerade leichte Sommerdecken aus Seide gehören seit vielen Jahren zu den beliebtesten Naturdecken.
Damit ist das Einsatzgebiet jedoch nicht vollständig beschrieben.
Je nach Füllgewicht lassen sich Seidendecken auch als Übergangsdecken oder für gut temperierte Schlafzimmer ganzjährig verwenden.
Die größten Stärken sehen wir dennoch eindeutig im Sommer und in der Übergangszeit.
Soll eine Bettdecke auch in einem kalten Schlafzimmer oder bei geöffnetem Fenster im Winter zuverlässig warmhalten, stoßen selbst hochwertige Seidendecken irgendwann an konstruktive Grenzen.
Um dieselbe Wärmeleistung wie eine hochwertige Daunendecke zu erreichen, wäre eine deutlich größere Füllmenge erforderlich. Dadurch steigt zwangsläufig auch das Gewicht der Bettdecke.
Genau hier liegen die größten Stärken hochwertiger Daunenfüllungen. Sie erreichen bereits mit vergleichsweise wenig Füllmaterial einen hohen Wärmerückhalt.
Aus unserer Beratung empfehlen wir deshalb Seidendecken vor allem für Menschen, die ein möglichst ausgeglichenes Schlafklima, eine leichte und anschmiegsame Bettdecke sowie gute temperaturausgleichende Eigenschaften schätzen. Für sehr kalte Schlafzimmer oder einen besonders hohen Wärmebedarf gibt es dagegen Materialien, die konstruktionsbedingt besser geeignet sind.
Sind Vierjahreszeiten-Seidendecken sinnvoll?
Manche Seidendecken besitzen kleine Knüpfbänder an den Ecken. Damit lassen sich zwei einzelne Bettdecken miteinander verbinden und als wärmere Winterdecke nutzen.
Technisch funktioniert dieses System problemlos und wird auch von uns so angeboten.
Aus unserer Beratung empfehlen wir solche Vierjahreszeiten-Kombinationen jedoch eher zurückhaltend.
Wer zwei Bettdecken miteinander verbindet, erhält zwangsläufig auch zwei Bezugsstoffe und zwei Füllungen übereinander. Dadurch steigt nicht nur das Gesamtgewicht der Bettdecke, sondern auch die Luft muss zwei Hüllen statt nur einer durchdringen. Die Atmungsaktivität nimmt dadurch etwas ab und die Bettdecke wirkt häufig weniger geschmeidig.
Für viele Menschen genügt eine gute Sommerdecke und eine separate Winterdecke vollkommen. Wer den Übergang zwischen beiden Jahreszeiten noch feiner abstimmen möchte, ergänzt bei Bedarf eine mittelwarme Bettdecke.
Das benötigt zwar etwas mehr Platz im Schrank, bietet im Alltag jedoch häufig den größeren Schlafkomfort als eine zusammengeknüpfte Vierjahreszeiten-Decke.
Pflege und Nutzung einer Seidendecke
Eine hochwertige Seidendecke ist kein empfindliches Luxusprodukt. Sie unterscheidet sich jedoch in einigen Punkten von vielen anderen Bettdecken. Wer diese Besonderheiten kennt, wird viele Jahre Freude an seiner Seidendecke haben.
Dabei geht es weniger darum, besonders aufwendig zu pflegen, sondern vielmehr darum, die Eigenschaften der langen Seidenfasern möglichst lange zu erhalten.
Sollte eine Seidendecke immer mit Bettwäsche verwendet werden?
Ja.
Eine Seidendecke ist dafür ausgelegt, zusammen mit einem Bettbezug verwendet zu werden.
Der Bettbezug übernimmt dabei mehrere wichtige Aufgaben. Er schützt die Decke vor Hautfetten, Schweiß und alltäglichen Verschmutzungen und lässt sich deutlich einfacher und häufiger waschen als die Bettdecke selbst.
Gelegentlich erreichen uns Anfragen von Kunden, deren Bettdecke nach längerer Nutzung Flecken entwickelt hat oder unangenehm riecht. Im Gespräch stellt sich dann manchmal heraus, dass die Decke über Monate oder sogar Jahre ohne Bettwäsche verwendet wurde, aber auch nicht oder zu selten gewaschen wurde.
Genau dafür ist der Bettbezug gedacht. Er schützt die empfindliche Füllung im Alltag und trägt wesentlich dazu bei, dass die Bettdecke selbst nur sehr selten gereinigt werden muss.
Wie pflegt man eine Seidendecke im Alltag?
Die wichtigste Pflegemaßnahme ist überraschend einfach.
Regelmäßiges Lüften.
Während des Schlafs nimmt jede Bettdecke Feuchtigkeit auf. Seidenfasern können diese Feuchtigkeit nach und nach wieder an die Umgebung abgeben. Deshalb genügt es meist, die Bettdecke regelmäßig auslüften zu lassen.
Zum Lüften sollte die Bettdecke an einem schattigen, gut belüfteten Ort aufgehängt oder ausgebreitet werden. Direkte Sonneneinstrahlung sollte vermieden werden, da Seide empfindlich auf intensive UV-Strahlung reagieren kann.
Ein kräftiges Ausschütteln ist dagegen nicht notwendig.
Anders als bei Daunendecken muss eine Seidendecke nicht aufgelockert oder aufgebauscht werden. Besonders bei handgezogenen Maulbeerseidendecken bringt kräftiges Ausschütteln keinen Vorteil und belastet im ungünstigsten Fall lediglich die Vernähung am Rand der Decke.
Es genügt vollkommen, die Bettdecke locker auszubreiten oder im Schatten über eine Wäscheleine beziehungsweise einen Wäscheständer zu hängen und gut auslüften zu lassen.
Kann man eine Seidendecke waschen?
Die Antwort hängt zunächst davon ab, um welche Art von Seidendecke es sich handelt.
Es gibt durchaus Wildseidendecken, die vom Hersteller ausdrücklich als waschbar gekennzeichnet sind. In diesem Fall sollten grundsätzlich die jeweiligen Pflegehinweise des Herstellers beachtet werden. Üblich sind dabei schonende oder sehr schonende Waschprogramme bei 30 oder 40 °C sowie ein geeignetes Seidenwaschmittel.
Handgezogene Maulbeerseidendecken unterscheiden sich hiervon jedoch deutlich.
Bei diesen Decken steht nicht das Wasser selbst im Vordergrund, sondern die mechanische Belastung während einer Maschinenwäsche.
Man kann sich die langen Seidenfilamente einer hochwertigen Maulbeerseidendecke wie sehr lange Haare vorstellen. Werden diese über längere Zeit intensiv geknetet, geschleudert und bewegt, entstehen nach und nach feine Bruchstellen – ähnlich wie Spliss bei langen Haaren.
Die Bettdecke wird dadurch nicht plötzlich unbrauchbar. Mit jeder intensiven Maschinenwäsche verliert sie jedoch ein wenig von den Eigenschaften, die hochwertige handgezogene Maulbeerseide auszeichnen. Die Füllung wird nach und nach weniger geschmeidig und weniger anschmiegsam.
Deshalb empfehlen wir bei handgezogenen Maulbeerseidendecken, die Bettdecke möglichst durch einen Bettbezug zu schützen und nur dann zu waschen, wenn es wirklich erforderlich ist.
Was tun, wenn die Bettdecke doch gewaschen werden muss?
Natürlich gibt es Situationen, in denen sich eine Wäsche nicht vermeiden lässt.
Ein Missgeschick mit Kindern, Haustieren oder andere starke Verschmutzungen können dazu führen, dass eine Wäsche der letzte Ausweg ist.
In solchen Fällen würden wir eine hochwertige Seidendecke selbstverständlich nicht einfach entsorgen oder schmutzig weiterverwenden.
Wenn die Wahl nur noch zwischen Wegwerfen oder einer schonenden Wäsche besteht, ist eine sorgfältige Reinigung eindeutig die bessere Wahl.
Bei handgezogenen Maulbeerseidendecken sollte dabei möglichst schonend vorgegangen werden. Ein geeignetes Seidenwaschmittel, ein Schonwaschgang mit möglichst geringer mechanischer Belastung und der Verzicht auf aggressive Waschzusätze helfen dabei, die Eigenschaften der langen Seidenfasern möglichst gut zu erhalten.
Auch wenn eine solche Wäsche die Bettdecke nicht sofort beschädigt, sollte sie eine Ausnahme bleiben und nicht zur regelmäßigen Pflege gehören.
Sind Weichspüler, Hygienespüler oder Wäscheparfüm sinnvoll?
Bei hochwertigen Seidendecken sollten wir darauf möglichst verzichten.
Viele moderne Waschzusätze sind für die regelmäßige Pflege robuster Textilien entwickelt worden. Empfindliche Naturfasern stellen jedoch andere Anforderungen.
Je schonender eine Seidendecke behandelt wird, desto länger bleiben ihre ursprünglichen Eigenschaften erhalten.
Ist eine Seidendecke selbstreinigend?
Immer wieder liest man im Internet, Seide besitze einen Lotuseffekt oder müsse praktisch nie gewaschen werden.
So einfach ist es nicht.
Richtig ist, dass Seidenfasern Schmutz vergleichsweise wenig annehmen und Gerüche häufig schon durch gründliches Lüften reduziert werden können.
Das bedeutet jedoch nicht, dass eine Bettdecke über Jahre ohne Bettwäsche und ohne jede Reinigung verwendet werden kann.
Auch eine Seidendecke nimmt mit der Zeit Hautfette, Schweiß und andere Verschmutzungen auf. Deshalb gehört ein Bettbezug zur normalen Nutzung einer Seidendecke genauso selbstverständlich dazu wie bei jeder anderen hochwertigen Bettdecke.
Aus unserer Erfahrung
Seit vielen Jahren beraten wir Kunden zu handgezogenen Maulbeerseidendecken. Dabei stellen wir immer wieder fest, dass sich die größte Zufriedenheit dort einstellt, wo die Besonderheiten des Materials von Anfang an bekannt sind.
Wer weiß, warum ein Bettbezug sinnvoll ist, warum regelmäßiges Lüften wichtiger ist als häufiges Waschen und weshalb eine hochwertige Seidendecke etwas anders behandelt werden sollte als eine klassische Bettdecke aus Kunstfaser, wird ihre besonderen Eigenschaften viele Jahre genießen können.
Häufige Fragen und typische Irrtümer über Seidendecken
Ist eine Seidendecke besser als eine Daunendecke?
Diese Frage lässt sich nicht pauschal beantworten.
Beide Materialien besitzen unterschiedliche Stärken und eignen sich für unterschiedliche Anforderungen.
Eine hochwertige Daunendecke erreicht bereits mit sehr wenig Füllmaterial einen hohen Wärmerückhalt. Deshalb spielt sie ihre größten Vorteile vor allem bei warmen Winterdecken aus.
Eine Seidendecke verfolgt ein anderes Ziel. Hier stehen weniger eine möglichst hohe Wärmeleistung als vielmehr ein ausgeglichenes Schlafklima, eine gute Anschmiegsamkeit und ein angenehmes Temperatur- und Feuchtigkeitsmanagement im Vordergrund.
Wer eine leichte Sommerdecke oder eine angenehme Übergangsdecke sucht, findet in Seide hervorragende Eigenschaften. Wer dagegen im Winter gerne bei geöffnetem Fenster schläft oder einen sehr hohen Wärmebedarf hat, wird mit einer hochwertigen Daunendecke oft besser beraten sein.
Aus unserer Sicht handelt es sich deshalb nicht um bessere oder schlechtere Materialien, sondern um unterschiedliche Lösungen für unterschiedliche Bedürfnisse.
Warum kommen viele hochwertige Maulbeerseidendecken aus China?
Diese Frage hören wir regelmäßig.
Die Antwort hat weniger mit einer günstigen Produktion zu tun als mit der Geschichte der Seide selbst.
China gilt als Ursprungsland der Seidenherstellung. Dort wird Seide seit mehreren tausend Jahren gewonnen und verarbeitet. Bis heute befinden sich dort die wichtigsten Anbaugebiete für Maulbeerbäume sowie das handwerkliche Wissen, das für die Herstellung handgezogener Maulbeerseidenfüllungen erforderlich ist.
Gerade das Ziehen der hauchdünnen Seidenlagen ist eine sehr spezialisierte Handarbeit, die viel Erfahrung erfordert. Eine vergleichbare Fertigung hat sich in Europa nie entwickelt. Selbst wenn sie heute aufgebaut würde, wären die Herstellungskosten aufgrund des hohen Handarbeitsanteils kaum wirtschaftlich.
Als wir die ersten handgezogenen Maulbeerseidendecken kennenlernten, waren sie in Deutschland nahezu unbekannt. Gerade weil sich diese Bettdecken in Aufbau, Pflege und Nutzung deutlich von klassischen europäischen Seidendecken unterscheiden, bestand anfangs ein großer Erklärungsbedarf.
Heute haben wir viele Stammkunden, die sich ganz bewusst wieder für diese besondere Konstruktion entscheiden, weil sie die Eigenschaften handgezogener Maulbeerseide schätzen.
Riechen Seidendecken?
Seide ist eine tierische Naturfaser und deshalb nicht vollständig geruchslos.
Frisch ausgepackte Seidendecken besitzen häufig einen zarten materialtypischen Eigengeruch. Bei hochwertiger Maulbeerseide ist dieser sehr dezent. Wildseide kann je nach Herkunft und Verarbeitung etwas kräftiger riechen ist aber in guten Qualitäten ebenfalls geruchlich unauffällig.
Aus unserer langjährigen Beratung kennen wir außerdem sehr vereinzelte Fälle, in denen einzelne Kunden den Geruch bestimmter Wildseidendecken als ausgesprochen unangenehm beschrieben haben. Auffällig war dabei, dass derselbe Geruch von anderen Personen gar nicht oder nur sehr schwach wahrgenommen wurde. Eine eindeutige Erklärung dafür kennen wir nicht. Solche Rückmeldungen waren in unserer langjährigen Erfahrung jedoch äußerst selten.
Gerade deshalb empfehlen wir, den Eigengeruch einer neuen Seidendecke möglichst direkt nach dem Kauf bewusst zu prüfen. Wer den materialtypischen Geruch bereits zu Beginn als störend empfindet, wird sich wahrscheinlich auch später unter dieser Bettdecke nicht dauerhaft wohlfühlen. Nach unserer Erfahrung handelt es sich dabei nicht um einen Produktionsfehler, sondern um eine individuelle Wahrnehmung des natürlichen Eigengeruchs der Seide.
Ist eine Wildseidendecke tierfreundlicher?
Wildseide und Maulbeerseide unterscheiden sich auch in ihrer Gewinnung.
Bei Wildseide leben die Tussah-Seidenspinner in freier Natur. Die Kokons werden überwiegend erst gesammelt, nachdem die Falter geschlüpft sind. Dadurch bleiben die langen Seidenfilamente zwar nicht erhalten, gleichzeitig unterscheidet sich dieses Verfahren deutlich von der Herstellung klassischer Maulbeerseide.
Trotzdem ist Wildseide kein veganes Produkt. Zum einen handelt es sich um eine tierische Naturfaser. Zum anderen kann auch bei Wildseide nicht garantiert werden, dass jeder einzelne Kokon erst nach dem Schlüpfen gesammelt wurde.
Wer besonderen Wert auf einen möglichst geringen Eingriff in den natürlichen Lebenszyklus der Tiere legt, sieht in Wildseide deshalb häufig Vorteile gegenüber vielen anderen tierischen Naturfasern. Eine allgemeingültige Bewertung ist jedoch nicht möglich und hängt letztlich auch von den persönlichen Maßstäben ab.
Für wen eignet sich eine Seidendecke eher nicht?
Auch wenn wir Seidendecken seit vielen Jahren schätzen, empfehlen wir sie nicht uneingeschränkt für jede Situation.
Wer seine Bettdecke aus hygienischen Gründen sehr häufig waschen muss, etwa in Pflegeeinrichtungen, bei Inkontinenz oder anderen besonderen Anforderungen, ist mit pflegeleichteren Füllmaterialien besser beraten.
Auch bei einer bekannten Allergie gegen Seidenleim würden wir keine Wildseidendecke empfehlen. Hochwertige Maulbeerseide enthält durch den Herstellungsprozess zwar kaum noch Seidenleim, dennoch sollte in solchen Fällen immer individuell geprüft werden, welches Material die sinnvollste Wahl ist.
Nicht jedes hochwertige Produkt ist automatisch für jeden Einsatzzweck geeignet. Genau deshalb gehört für uns zu einer guten Beratung auch die Empfehlung eines anderen Materials, wenn dieses besser zu den Anforderungen passt.
Woran erkennt man eine hochwertige Seidendecke?
Diese Frage lässt sich nicht mit einem einzelnen Merkmal beantworten.
Entscheidend ist immer das Zusammenspiel verschiedener Faktoren.
Dazu gehören unter anderem:
- die verwendete Seidenart,
- die Qualität des Ausgangsmaterials,
- die Verarbeitung der Fasern,
- der Aufbau der Füllung,
- der Bezugsstoff,
- die Verarbeitung der Bettdecke.
Gerade bei Wildseidendecken entscheidet die Qualität der Kokons und der anschließenden Verarbeitung maßgeblich über das spätere Ergebnis.
Bei handgezogenen Maulbeerseidendecken kommt zusätzlich die aufwendige Herstellung der großflächigen Seidennetze hinzu. Sie ermöglicht eine Konstruktion, die sich deutlich von klassischen gesteppten Seidendecken unterscheidet.
Deshalb lohnt es sich, nicht nur auf die Materialbezeichnung „Seide“ zu achten, sondern sich auch mit der Art der Verarbeitung auseinanderzusetzen.
Fazit
Seidendecken gehören zu den faszinierendsten Naturbettdecken überhaupt.
Wer sich näher mit ihrem Aufbau beschäftigt, stellt schnell fest, dass sich hinter dem Begriff „Seidendecke“ sehr unterschiedliche Konstruktionen verbergen. Wildseide, Maulbeerseide und handgezogene Maulbeerseide besitzen jeweils eigene Stärken und unterscheiden sich nicht nur in der Herstellung, sondern auch im späteren Gebrauch.
Eine gute Kaufentscheidung beginnt deshalb nicht mit der Frage nach dem Preis, sondern mit der Frage, welche Eigenschaften für den eigenen Schlaf wirklich wichtig sind.
Wer ein möglichst ausgeglichenes Schlafklima, eine leichte und anschmiegsame Bettdecke sowie hochwertige Naturfasern schätzt, findet in einer guten Seidendecke einen Begleiter für viele Jahre.
Ebenso wichtig ist jedoch zu wissen, wo die Grenzen dieses Materials liegen. Eine Seidendecke ersetzt nicht die Winterdecke, muss nicht für jede Lebenssituation die beste Wahl sein und stellt andere Anforderungen an Pflege und Nutzung als viele andere Bettdecken.
Genau diese Unterschiede machen Seidendecken so besonders. Wer sie kennt und bewusst auswählt, versteht meist schnell, warum viele Menschen nach ihrer ersten hochwertigen Seidendecke viele Jahre bei diesem Material bleiben.