Materialkunde Bettwaren
Was ist eigentlich in Bettdecken und Kopfkissen drin?
Welche Füllungen für Bettwaren gibt es und wie unterscheiden sie sich?
Bettdecken und Kopfkissen gibt es mit den unterschiedlichsten Füllungen. Jedes Material besitzt eigene Besonderheiten und Eigenschaften. Wer eine neue Bettdecke oder ein Kopfkissen sucht, steht deshalb schnell vor der Frage, welche Füllung den persönlichen Bedürfnissen am besten entspricht. In unserer kleinen Materialkunde haben wir die gängigsten Fasern und Füllstoffe sowie ihre typischen Merkmale zusammengefasst.
Baumwolle
Baumwolle ist ein Klassiker unter den Textilfasern. Sie wird für Bettwaren, Heimtextilien und Kleidung verwendet. Die Naturfaser ist atmungsaktiv, pflegeleicht und wird häufig als angenehm auf der Haut empfunden. Sie eignet sich als Bezugsstoff oder Füllung für Bettdecken und Kopfkissen, ebenso für Bettwäsche und Handtücher.
Baumwolle kann bis zu 32 % ihres Eigengewichts an Wasser aufnehmen. Sie besitzt außerdem eine gute Schmutz- und Ölaufnahmefähigkeit und kann die aufgenommenen Substanzen wieder abgeben. Im nassen Zustand ist Baumwolle besonders reißfest. Häufig eignet sie sich für Kochwäsche bei bis zu 95 °C. Ein Nachteil ist, dass sie relativ langsam trocknet.
Bio-Baumwolle wird nach den Vorgaben des jeweiligen Anbauprogramms erzeugt. Je nach Standard gelten dabei besondere Anforderungen an den Einsatz von Pflanzenschutzmitteln, die Bodenbewirtschaftung und den Wasserverbrauch. Baumwolle lässt sich gut färben, kann je nach Produkt aber auch naturbelassen und ohne optische Aufheller verwendet werden.
Da Baumwolle wenig elastisch ist, eignet sie sich als Kissenfüllung nur eingeschränkt. Bei Bettdecken wird sie aufgrund der geringen Wärmerückhaltung häufig für leichte Sommerdecken eingesetzt.
Leinen
Leinen ist eine traditionsreiche Faser für Bettwäsche und Heimtextilien. Die strapazierfähige Flachsfaser wird wegen ihrer Langlebigkeit und ihrer guten Pflegeeigenschaften geschätzt. Viele Leinenprodukte können bei höheren Temperaturen gewaschen werden.
Leinen besitzt eine luftige, atmungsaktive Struktur und speichert vergleichsweise wenig Wärme. Deshalb wird die Faser besonders gern für Sommerdecken, Sommerkleidung und Sommerbettwäsche verwendet.
Mikrofaser
Mikrofaser bezeichnet keine bestimmte Faserart, sondern besonders feine Fasern. Häufig wird Polyester verwendet. Polyesterfasern können je nach Qualität und Ausrüstung sehr unterschiedliche Eigenschaften besitzen. Gemeinsam sind ihnen meist gute Wascheigenschaften und eine hohe Formbeständigkeit.
Viele Mikrofaserprodukte können bei 60 °C oder – je nach Ausführung – auch bis zu 95 °C gewaschen werden. Mikrofaser-Bettdecken gibt es in unterschiedlichen Wärmeausführungen für Sommer, Übergangszeit und Winter. Die Fasern befinden sich häufig im Bezugsstoff der Decke.
Gewebte Mikrofaserstoffe fühlen sich oft weich und glatt an. Sie werden deshalb auch für Bettwäsche verwendet. Je nach Produkt können sie für Allergiker geeignet oder allergieneutral ausgerüstet sein. Maßgeblich sind immer die konkreten Produktangaben.
Bei Polyesterbettwaren unterscheiden sich Qualität und Gebrauchseigenschaften teilweise deutlich. Viele Polyesterfasern bieten nur ein eingeschränktes Feuchtigkeitsmanagement. Wer leicht schwitzt, sollte daher auf die Eigenschaften des jeweiligen Produkts achten.
TENCEL™ und Lyocell
TENCEL™ ist eine Markenfaser der Lenzing AG. Das zugrunde liegende Material heißt Lyocell und besteht aus Zellulose. Lyocell hat einen weichen Griff und fällt fließend. Die Faser kann Feuchtigkeit aufnehmen und wieder an die Umgebung abgeben. Dadurch können Bettwaren aus Lyocell zu einem angenehm trockenen Schlafklima beitragen.
Lyocell kann bei vielen Produkten bis zu 60 °C gewaschen werden und ist teilweise trocknergeeignet. Durch den Umgang mit Feuchtigkeit wird die Faser häufig als temperaturausgleichend beschrieben. Besonders für Sommer- und Ganzjahresdecken wird Lyocell gern eingesetzt.
Da Lyocell nicht gekräuselt ist, sind Decken mit einer reinen Lyocellfüllung häufig eher flach. Eine Beimischung von bauschigeren Fasern kann dieses Materialverhalten ausgleichen. Lyocell wird deshalb auch als Beimischung in Bettwaren verwendet, deren übrige Füllung aus Polyester besteht.
Lyocell kann als Füllung für Bettdecken und Kopfkissen sowie für Bettwäsche und Nachtwäsche eingesetzt werden. Die konkreten Pflege- und Materialangaben sind dem jeweiligen Produkt zu entnehmen.
Bambus, Mais und Soja-Proteinfaser
Viskosefasern aus Bambus werden wegen ihrer Weichheit und Anschmiegsamkeit verwendet. Ihre Eigenschaften können denen von Lyocell ähneln. Fasern aus dem Rohstoff Mais werden auf dem Etikett als Polylactide bezeichnet. Sie besitzen eine etwas kräftigere Struktur und können je nach Ausführung auch für Kopfkissen oder bauschige Decken eingesetzt werden.
Eine weitere Faserart ist die Soja-Proteinfaser. Sie wird aus Bestandteilen der Sojabohne gewonnen und kann sich weich und kuschelig anfühlen. Je nach Ausführung wird sie wegen ihrer Feuchtigkeits- und Wärmeregulierung eingesetzt. In Bettdecken kann sie als Alternative zu weichen Tierhaarfüllungen verwendet werden.
Schafwolle
Schafwolle ist eine wichtige tierische Naturfaser. Sie schützt vor Kälte und kann auch bei wechselnden Temperaturen zu einem ausgeglichenen Schlafklima beitragen. Außerdem ist Wolle elastisch und besitzt eine natürliche Kräuselung.
Im Vergleich zu Kamelhaar oder Kaschmir ist Schafwolle meist etwas fester im Griff. Wie viele Tierhaarqualitäten kann sie bei regelmäßiger Belüftung aufgefrischt werden. Eine Wäsche ist in der Regel nur schonend und nach den Herstellerangaben möglich.
Schurwolle wird wegen ihres Wärmevermögens häufig für warme Bettdecken verwendet. Die Wolle des Argali-Schafs, auch Marco-Polo-Schaf genannt, gilt als besonders weich und bauschig. Ihre Eigenschaften können zu einem trockenen und angenehm temperierten Schlafklima beitragen.
Kamelhaar
Kamelhaar ist ein leichtes und anschmiegsames Füllmaterial. Es wird für Bettdecken von der leichten Sommerdecke bis zur warmen Winterdecke verwendet. Kamelhaar kann Wärme speichern und auf wechselnde Temperaturen ausgleichend reagieren. Das feine Flaumhaar ist luftdurchlässig und wird deshalb auch für Wasserbettdecken eingesetzt.
Das Flaumhaar wird häufig während des natürlichen Fellwechsels gesammelt und teilweise ausgekämmt. Anschließend wird es gereinigt und verarbeitet. Naturhaar kann regelmäßig gelüftet werden, wodurch eine Wäsche oft vermieden oder hinausgezögert werden kann. Einige Kamelhaardecken sind je nach Ausrüstung bei bis zu 40 °C waschbar. Maßgeblich sind die jeweiligen Pflegehinweise.
Kaschmir
Kaschmir gehört zu den besonders feinen und weichen Tierhaaren. Das Haar der Kaschmirziege kann zu einem trockenen Schlafklima beitragen und wird wegen seines geringen Gewichts und seines Wärmevermögens geschätzt.
Kaschmirdecken sind häufig sehr leicht und weich. Eine Wäsche ist nur besonders schonend und nach den Herstellerangaben möglich. Wenn der Hersteller keine Maschinenwäsche erlaubt, sollte die Decke einer spezialisierten Bettenwäscherei für Naturbettwaren übergeben werden.
Seide
Seide ist die einzige natürliche textile Endlosfaser. Für Bettwarenfüllungen wird häufig Wildseide beziehungsweise Tussahseide verwendet. Im Unterschied zur Maulbeerseide sind die Fasern kürzer.
Maulbeerseide wird aus ganzen Kokons gewonnen und besitzt besonders lange Fasern. Für die Herstellung von 250 g Seidenfaden werden mehrere tausend Kokons benötigt. Seide besteht überwiegend aus Proteinen. Sie ist leicht, anschmiegsam und trotz ihrer feinen Struktur strapazierfähig.
Seidenbettdecken sind besonders leicht und können bei warmen Temperaturen zu einem angenehmen Schlafklima beitragen. Bei kühleren Temperaturen kann Seide ebenfalls ein gewisses Wärmevermögen bieten. Die Eignung hängt von Füllmenge, Konstruktion und Wärmeausführung ab.
Seidenbettdecken sind oft waschbar. Die Pflegehinweise des Herstellers müssen genau beachtet werden. Bei waschbaren Produkten sollte ein geeignetes Seidenwaschmittel verwendet werden. Seide kann regelmäßig gelüftet und sanft aufgeschüttelt werden. Direkte Sonneneinstrahlung sollte vermieden werden, da UV-Licht die Faser schädigen kann.
Daunen
Daunen sind leicht, weich und besitzen ein gutes Wärmevermögen. Viele Daunendecken können bei 60 °C gewaschen werden oder sind mit geeigneten milbendichten Bezügen ausgestattet. Ob ein Produkt für Allergiker geeignet ist, hängt von der konkreten Ausführung, der Waschbarkeit und der Ausstattung ab. Angaben wie NOMITE sollten direkt am jeweiligen Produkt geprüft werden.
Nach dem Waschen müssen Daunendecken vollständig getrocknet und regelmäßig aufgeschüttelt werden, damit die Füllung nicht verklumpt. Direkte Sonneneinstrahlung sollte vermieden werden, da UV-Strahlen die Federkiele austrocknen und spröde machen können.
Bei Kopfkissen bestimmt das Mischverhältnis von Daunen und Federn wesentlich die Stützkraft. Je höher der Federanteil, desto stützender ist das Kissen. Ein höherer Daunenanteil sorgt für mehr Volumen und Weichheit. Als Halbdaune wird eine Mischung aus 15 % Daunen und 85 % Federn bezeichnet. Eine ¾-Daune besteht aus 30 % Daunen und 70 % Federn.
Daunen speichern Wärme und geben Feuchtigkeit je nach Konstruktion und Bezugsstoff unterschiedlich gut ab. Das Schlafklima kann daher bei verschiedenen Produkten unterschiedlich ausfallen. Wer eine besonders luftige und feuchtigkeitsregulierende Bettdecke sucht, sollte die jeweiligen Material- und Pflegeangaben vergleichen. Auch die Herkunft der Daunen und vorhandene Tierschutz- oder Prüfsiegel können bei der Auswahl eine Rolle spielen.